Mitgliedsunternehmen des SEF e.V. demonstrieren gemeinsam die digitale Wertschöpfungskette – vom Angebot bis zur Auslieferung
Limburg a. d. Lahn, 24. August 2026 – Wie sieht eine Elektronikfertigung aus, in der alle Prozesse digital miteinander vernetzt sind und KI Mitarbeitende entlang der gesamten Wertschöpfungskette unterstützt? Diese Frage beantwortet der SEF Smart Electronic Factory e. V. auf der EFX – Expo for Electronics Manufacturing, die vom 6. bis 8. Oktober 2026 in Stuttgart stattfindet. Gemeinsam mit Mitgliedsunternehmen zeigt der Verein einen durchgängigen Live-Use-Case, der den kompletten Weg eines Elektronikauftrags abbildet – von der automatisierten Angebotserstellung über Materialbeschaffung und Produktionsplanung bis hin zu Montage, Qualitätssicherung und Versand.
Unter dem Leitgedanken „Vom Angebot zur Auslieferung“ machen die beteiligten SEF-Mitglieder greifbar, was durchgängige Digitalisierung in der Elektronikfertigung konkret bedeutet. dikon Elektronik & IT, DUALIS, iTAC, Limtronik, OPTIMUM datamanagement solution, Perzeptron, PS Industry und znt-Richter verknüpfen ihre Lösungen zu einer Prozesskette. Daten fließen dabei über Systemgrenzen hinweg, anstatt an einzelnen Stationen neu erfasst oder manuell übertragen zu werden.
Vom Kundenauftrag zur belastbaren Planung
Der Prozess startet dort, wo ein realer Fertigungsauftrag beginnt: mit der Kundenanfrage. Im ERP-System des Elektronikfertigers Limtronik stehen die Auftrags- und Produktdaten für die weiteren Prozessschritte bereit. Die bereitgestellten ODB++-Daten liefern die Grundlage für Stücklisten- und Fertigungsinformationen. Über die Valor-Anbindung greift der Prozess auf den BOM-Connector von znt-Richter zu, der Materialanfragen an Lieferanten unterstützt und Informationen zu benötigten Bauelementen, Verfügbarkeiten und Kosten zusammenführt.
Damit entsteht bereits zu Beginn eine fundierte Datengrundlage für die Kalkulation. Aus einer Anfrage entwickelt sich so ohne Medienbruch ein digital beschriebener Fertigungsauftrag, dessen Informationen anschließend durch die weiteren Stationen der Wertschöpfungskette laufen.
Nach Auftragseingang startet die Materialbeschaffung. Eindeutige Gebindenummern verknüpfen die eingehenden Materialien mit den zugehörigen Artikeln und Fertigungsinformationen. Auf diese Weise lässt sich später nachvollziehen, welches Bauteil aus welchem Gebinde stammt und in welchem Produkt es verarbeitet wurde.
Planung und Supply Chain reagieren auf Veränderungen
Anschließend übernimmt GANTTPLAN von DUALIS die Feinplanung. Das APS-System (Advanced Planning and Scheduling) plant Fertigungsaufträge unter Berücksichtigung verfügbarer Ressourcen und Kapazitäten sowie von Termin- und Kostenfaktoren und visualisiert das Ergebnis im Fertigungsleitstand. Ändern sich Rahmenbedingungen, lassen sich die Auswirkungen unmittelbar in der Planung berücksichtigen. Das APS tauscht dafür Daten mit dem MES (Manufacturing Execution System) von iTAC über die integrierten Systeme aus.
Parallel schafft die Software MiG von Perzeptron Transparenz in der Supply Chain. Die Lösung übernimmt relevante Informationen aus dem ERP-System und führt sie in einer zentralen Sicht zusammen. Änderungen, z. B. bei Materialverfügbarkeit oder Terminen, stehen dadurch nicht isoliert in einer einzelnen Abteilung, sondern erreichen die betroffenen Bereiche entlang der Prozesskette. Engpässe lassen sich früher erkennen, Vertrieb, Einkauf, Fertigungsplanung und Fertigungssteuerung arbeiten auf einer gemeinsamen Informationsbasis.
Mit dem KI-Modul OCC.AI von Perzeptron geht der Use-Case noch einen Schritt weiter: Es digitalisiert und automatisiert die Kontrolle von Auftragsbestätigungen. Damit zeigt der Messeaufbau beispielhaft, wo KI in der industriellen Praxis bereits konkrete Routinetätigkeiten übernehmen und Mitarbeitende entlasten kann.
Digitale Informationen begleiten den Auftrag bis an den Montageplatz
Auch auf dem Shopfloor bleibt die digitale Prozesskette geschlossen. Die für die Produktion benötigten Arbeits-, CAD- und Prozessinformationen gelangen über die entsprechende Systemanbindung zum Montagearbeitsplatz mit KI-Unterstützung: „Der Schlaue Klaus“ von OPTIMUM.
Das kamerabasierte KI-Assistenzsystem führt die Mitarbeitenden Schritt für Schritt durch den Montageprozess und kontrolliert gleichzeitig die korrekte Ausführung. Die Anbindung an das MES von iTAC ermöglicht dem KI-gestützten Service iTAC.CATi komplexe Produktionsfragen zur Fertigungshistorie, Materialchargen und Prozessparameter in natürlicher Sprache zu beantworten. Bei einem nicht ordnungsgemäß ausgeführten Arbeitsschritt kann der Prozess entsprechend abgesichert beziehungsweise verriegelt werden. So verbindet der Use-Case Werkerassistenz, Qualitätsprüfung und Rückmeldung an die Fertigungs-IT unmittelbar miteinander.
Um die Flexibilität der APS-Planung mit GANTTPLAN von DUALIS transparent auf dem Shopfloor zu berücksichtigen, stellt dikon Arbeitsvorrat inkl. Arbeitsanweisungen über ein mobiles Cockpit bereit. Mitarbeitende können aktuelle Prozessschritte, Bilder oder Videos direkt am Arbeitsplatz bzw. auf mobilen Endgeräten abrufen und Rückmeldungen zum Produktionsfortschritt oder zur Qualität geben. Änderungen erreichen damit die Verantwortlichen unmittelbar im laufenden Prozess. Verzögerungen und Abweichungen können zeitnah gelöst werden.
PS Industry ergänzt den Use-Case um eine anpassbare Arbeitsplatzbeleuchtung. Diese kann automatisch an unterschiedliche Arbeitsschritte angepasst werden und beispielsweise über Tunable White optimale Lichtbedingungen für die jeweilige Tätigkeit schaffen. Die bedarfsgerechte Beleuchtung unterstützt ergonomisches und sicheres Arbeiten und kann dazu beitragen, Fehler zu reduzieren und die Produktivität nachhaltig zu steigern.
Ein Auftrag – eine durchgängige Prozesskette
Am Ende steht das fertige Produkt. Die erfolgreiche Montage und Freigabe kann Folgeprozesse wie den Druck von Versanddokumenten bzw. Versandetiketten, Lagerbuchungen oder die Übergabe an die Logistik anstoßen. Damit schließt sich der Kreis vom eingehenden Auftrag bis zur Auslieferung. Aus einzelnen digitalen Werkzeugen entsteht so eine vernetzte Wertschöpfungskette.
„Viele Unternehmen beschäftigen sich nicht mehr mit der Frage, ob sie ihre Fertigung digitalisieren, sondern wie sie ihre bestehenden Systeme sinnvoll miteinander verbinden. Unser Messe-Use-Case macht genau dieses Zusammenspiel sichtbar: Ein realistischer Elektronikauftrag durchläuft eine durchgängig digitalisierte Prozesskette, in der verschiedene Technologien und Partner ihre Stärken einbringen. Das ist der Kern unseres Netzwerks“, sagt Christina Hild, Geschäftsführerin des SEF Smart Electronic Factory e.V.
Der SEF Smart Electronic Factory e. V. präsentiert den Live-Use-Case auf der EFX vom 6. bis 8. Oktober 2026 in der Messe Stuttgart, Halle 9, Stand 9C60.
Gefördert aus Mitteln des Landes Hessen.
Der SEF Smart Electronic Factory e.V. ist ein im Jahr 2015 gegründeter Verein, der Industrie 4.0-fähige Lösungen – mit Fokus auf die Anforderungen des Mittelstandes – entwickelt. In der Smart Electronic Factory, eine Elektronikfabrik in Limburg a. d. Lahn, werden Industrie 4.0-Szenarien und -Anwendungen unter realen Produktionsbedingungen entwickelt und erprobt. Der Verein setzt sich aus verschiedenen Unternehmen sowie universitären Einrichtungen und Instituten zusammen. Zentrale Zielsetzung ist es, Unternehmen den Weg in die vierte industrielle Revolution zu ebnen. www.SmartElectronicFactory.de
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