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König Kunde?

Angebotsvielfalt in Gefahr

König Kunde?

Foto: Fotolia (No. 5090)

sup.- Ist der Kunde in Deutschland wirklich König? Eigentlich sollte sich in der freien Marktwirtschaft jeder Verbraucher souverän für ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung, für den bevorzugten Anbieter und auch für die gewünschte Preiskategorie entscheiden können. Diese Freiheit ist jedoch bedroht, wenn staatliche Vorgaben das Kaufverhalten in bestimmte Richtungen lenken wollen. Eine Gefahr, die angesichts zahlreicher Aktivitäten der Kartellbehörden in jüngster Zeit nicht abwegig erscheint. So häufen sich die Fälle, in denen das Bundeskartellamt für einzelne Wirtschaftsbranchen lediglich die preiswertesten Angebote als verbrauchergerecht und gesetzeskonform betrachtet. Eine Sichtweise, die die Bedeutung unterschiedlicher Geschäftsmodelle für eine möglichst breite Waren- und Dienstleistungsvielfalt völlig außer Acht lässt. Aktuelle Beispiele für Branchen, deren Preisgestaltung und infolgedessen auch deren Qualitätsniveau die Wettbewerbshüter beeinflussen möchten, nennt das European Trust Institute (www.eu-trust.org): Sowohl Herstellern von Kaffee, Bier, Süßwaren und Bekleidung als auch Vertreibern von Energie wird zunehmend die individuelle Form des Marktauftritts beschnitten.

Dies könnte zur Folge haben, dass sich der Wirtschaftsmarkt Deutschland zu einem „Discountry“ entwickelt, in dem es immer weniger profilierte Marken gibt. Denn eine markenorientierte Wirtschaft, die dem Kunden die Wahl aus eindeutig unterscheidbaren Alternativen ermöglicht, funktioniert nicht bei einer verpflichtenden Orientierung am untersten Preissegment. Marken müssen gepflegt werden, erfordern oftmals individuelle, klar definierte Vertriebswege sowie einen angemessenen Preis, der sich auch aus dem Aufwand z. B. für Service und hochwertige Fertigung ergibt. „Eine Behörde, die durch Verbote hier regulierend eingreift, stärkt nicht den Wettbewerb, sondern verzerrt diesen in geradezu bedrohlicher Weise“, heißt es in dem gerade erschienenen Buch „Wirtschaft im Würgegriff / Wie das Kartellamt Unternehmen blockiert“ (Campus Verlag, ISBN 978-3-593-50150-5), in dem die Autoren Detlef Brendel und Florian Josef Hoffmann vor den Konsequenzen dieser Maßnahmen warnen: „Durch dirigistische Markteingriffe werden Existenzen vernichtet, der Wettbewerb reduziert und Marken nachhaltig geschädigt.“ Das Buch macht unter anderem transparent, wie die Kartellbehörden bestimmten Herstellern im Sinne einer möglichst niedrigen Preiskalkulation ernsthaft die Verwendung billigerer Rohstoffe oder den Verzicht auf Serviceleistungen nahelegen. Mit Verbraucherschutz hat dies natürlich nichts mehr zu tun. Nur wenn sich vom Discount-Versender bis zum beratungsintensiven Premium-Anbieter jeder Marktteilnehmer mit seinem ganz spezifischen Geschäftsmodell präsentieren kann, wird der Kunde König bleiben.

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