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Kaffee Irrtümer: Leseprobe

Am Anfang gab´s die Niki-Dröhnung

Bereits in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts starteten kirchliche Gemeinschaften erste Versuche, Kaffee zu einem „gerechten“ Preis in sogenannten „Dritte Welt-Läden“ zu verkaufen. Eines der ersten Lieferländer wurde das von Unterdrückung und politischer Willkür geschundene Nicaragua. Anfang der 80er ging der Bremer SPD Vorsitzende Henning Scherf als Kaffeepflücker in das zentralamerikanische Land, um ein Zeichen für die Unterstützung der Bevölkerung zu setzen.

Bereits einige Jahre vorher, 1975, wurde die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbh (GEPA) gegründet. Schwerpunkt aller Aktivitäten und der Verkäufe in den Dritte – Welt – Läden war Kaffee, das Lieblingsgetränk der Deutschen. Die Kaffees kamen zum größten Teil aus Guatemala und Nikaragua. Kaffeegenuss war das nicht: so wurden die meisten Kaffeeangebote als „Niki-Dröhnung“ bezeichnet, das Bittergetränk war eher für masochistisch veranlagte Gaumenfreuden geeignet. Henning Scherf jedenfalls gestand später einmal in einem Interview: „Ich trinke nur Kaffee, wenn ich mich nicht anders als durch Magenschmerzen wach halten kann…“

Als 1992 der Verein TransFair e.V. in Köln gegründet wurde, bekamen die Diskussionen um „Ausbeutung“ der kleinen Kaffeebauern neuen Schwung, vor allem Großröster wurden angeprangert, auf Kosten der Kleinbauern Profit zu machen. Es folgte ein jahrelanges Rollenspiel, Kaffeeunternehmen waren die Bösen, Vertreter von TransFair oder GEPA die Guten.

Selbst als erste Röstereien sich entschlossen, sogenannten „fair gehandelten“ Kaffee in ihrem Sortiment aufzunehmen, wurden sie gleichzeitig beschimpft, weil sie nicht das gesamte Sortiment umgestellt hatten. Immerhin gelang es TransFair vor allem in mittleren Universitätsstädten im Lebensmitteleinzelhandel präsent zu sein und die Initiative konnte dort auch einige Erfolge vorweisen.

Show- und Politprominenz zeigten sich gern in der Öffentlichkeit mit einem Päckchen GEPA Kaffee in der Hand und sorgten für eine ständige Medienpräsenz des „fair“ gehandelten Kaffees. Eine neue Initiative dieser Symbolpolitik durch Selbstinszenierung ist die Ausrufung vereinzelter Gemeinden als „Fairtrade Towns“.

In den Diskussionen prallten zwei Weltanschauungen aufeinander, die lange Zeit unvereinbar schienen. Keiner der großen Kaffeeunternehmen war bereit, auch nur einen kleinen Teil des Sortiments mit „fairen“ Bohnen zu füllen, wäre es doch das Eingeständnis gewesen, dass jeder andere Kaffee als „unfair“ bezeichnet werden könnte.

1997 schlossen sich Max Havelaar aus der Schweiz, Fairtrade Österreich und TransFair Deutschland zur „Fairtrade Labelling Organizations International (FLO)“ mit Sitz in Bonn zusammen, der sich noch weitere Label-Organisationen weltweit anschlossen. FLO vergibt über ihre nationalen Siegelorganisationen das neue Fairtrade-Siegel.

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Original erstellt für www.hasselwander.co.uk

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