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Human Compliance – nur eine neue Form des Arbeitsschutzes? (I)

Was gibt’s Neues Frau/Herr NN?
Unter dieser Überschrift fragt der Ingenieurverbund Maschinenbau bei seinen Mitgliedern zu Themen der Technik und der Gesellschaft.
Heute geht es darum, welchen Stellenwert die Betrachtung psychischer Belastungen in der Arbeitswelt, aber auch darüber hinaus einnimmt.

Human Compliance - nur eine neue Form des Arbeitsschutzes? (I)

Wert – Mensch

Was gibts Neues Herr Bialek?

Jürgen Bialek: Na ganz tolle Ideen der SPD-Wahlkämpfer im Bund. Jetzt kochte das Thema „verlängerte Lohnfortzahlung“ und „Anti-Stress-Verordnung“ hoch.

Was stört Sie an diesen Themen?

Mich stört, sollte so etwas umgesetzt werden, dass wir hier geradewegs in einen Gängel-Staat marschieren, der mit pseudo-sozialem Anstrich eine Art Vollkasko-Stimmung verbreitet wissen möchte. Solche Maßnahmen treiben die Kosten der Unternehmen UND der Administration in die Höhe. Jeder, der versucht, mit einem Unternehmen wirtschaftlich zu arbeiten, würde es sich sehr deutlich überlegen, ob er oder sie Menschen einstellt, das Unternehmen erweitert, für wirtschaftliche Prosperität in seinem kleinen Bereich sorgt. Der Staat, die Administration müsste eigentlich auch versuchen, wirtschaftlich zu arbeiten. Im Moment sehe ich bei den gemachten „roten“ Ankündigungen nichts davon.

Aber wieso denn „pseudo-sozialer Anstrich“?

Es geht den „roten Wahlkämpfern“ (und wahrscheinlich auch den „grüngefärbten“) um“s ideologisch motivierte Umverteilen ohne die Frage zu stellen, ob die Milliarden Euro, die man gern auch bei vielfach gescholtenen Leistungsträgern einsammeln möchte, nicht zur Entstehung einer nachhaltig schlechten wirtschaftlichen Entwicklung führen könnte. Und den Betroffenen, denen man vorgeblich mit solchen Überlegungen helfen möchte, nimmt es entweder den Job oder endgültig die Möglichkeit der Selbstbestimmung. Und schließlich werden gesamtgesellschaftliche Phänomene auf die „bösen Arbeitgeber“ reduziert. Das ist abzulehnen.

Kommen wir zu den Hintergründen zurück. Haben wir denn kein Problem mit „Stress“, das heißt mit zunehmender psychischer Belastung im Berufsleben? Ist das denn aus der Luft gegriffen?

Ganz klar haben wir da ein Problem. Aber es ist vielschichtig und lässt sich nicht „über den Kamm geschoren“ darstellen. Zum einen ist es nicht allein ein Problem der Wirtschaft und der Arbeitswelt …

Wer aber arbeiten geht, verbringt doch einen großen Teil seiner täglichen Zeit auf Arbeit?!?

Ja, ich sage auch nicht, dass die Belastungen in der Arbeitswelt zu vernachlässigen sind. Die Bereiche, die das Verhältnis der Mitarbeiter zum Unternehmen angehen, müssen die Unternehmer und die Führungskräfte offensiv beackern. Aber bitte nicht mit ideologischem Zwang.

Wie soll“s gehen?

Der Arbeitgeber muss bereits heute (und bereits seit Jahren und Jahrzehnten) die Gefährdungen beurteilen, die sich aus den Arbeitsaufgaben, den Arbeitsprozessen oder den so genannten Arbeitssystemen ergeben. Und da gibt es neben den Faktoren, die Jedem sofort einleuchten, wie Gefährdungen aus Maschinenbewegungen, aus gefährlichen Stoffen, aus der Wirkung des elektrischen Stromes etc. auch die psychischen Belastungen, denen in selben Maße Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Also nicht“s Neues?

Doch! Es ist ein Umdenken bei den Arbeitgebern erforderlich! Die psychischen Belastungen standen und stehen immer an letzter Stelle der Liste potentieller Gefährdungen in den Arbeitssystemen. Und so wurden sie auch betrachtet; oder wurden eben oft auch nicht betrachtet. Psychische Gefährdungen waren für viele Arbeitgeber bisher solche Dinge, wie der Stress, den vielleicht ein Polizist oder eine Rettungssanitäterin im Einsatz hat. Bei den „normalen Arbeitsplätzen“ fanden psychische Belastungen einfach nicht statt. Das geht so nicht! Hier muss das Umdenken einsetzen! Der Unternehmer, der Arbeitgeber muss sich seiner Verantwortung für die Mitarbeiter auch in diesen Fragen bewusst werden. Nochmal: Es geht um wirtschaftliches Arbeiten; ganz klar. Dazu gehört aber, dass ich es mir nicht leisten kann, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verlieren, sei es dauerhaft durch Weggang, quasi durch „Flucht“, durch Invalidität oder schlimmer noch, vielleicht sogar noch durch Selbstmord. Auch einen temporären Verlust durch Krankheit, kann sich kein vernünftiger Unternehmer leisten, egal ob er nun sechs Wochen oder länger in der Pflicht der Lohnfortzahlung steht. Aber ich befürchte, Sozialisten werden das nur schwer begreifen.

Nun haben Sie nochmal einen „Seitenhieb“ losgelassen. Wie sehen aber Lösungen aus?

Arbeitgeber, Unternehmer müssen den Schutz der Mitarbeiter als gesamtheitliche Managementaufgabe verstehen. Der Schutz der Beschäftigten gegen die „normalen“ Gefährdungen hat ja bereits weite Fortschritte gemacht in den letzten Jahrzehnten. Sinkende Unfallzahlen bei einer gleichzeitig weiterhin hohen Zahl geleisteter Arbeitsstunden in der Wirtschaft sprechen eine eindeutige Sprache. Produkte, Maschinen, Anlagen, Werkzeuge werden immer sicherer. „Product Compliance“ als Begriff der umfassenden Verantwortung für solche „greifbaren“ Dinge und in der logischen Weiterführung auch die Betriebssicherheit haben sich durchgesetzt und gehören wie selbstverständlich zu den klassischen Unternehmenszielen. Aber es gibt neue Einflüsse; die Rahmenbedingungen der Arbeit ändern sich.

…wird fortgesetzt

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