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Erklärung von Aspies e.V. zum Welt-Autismustag am 2. April 2013

Gegen diskriminierende Darstellungen von Autisten in den Medien

Erklärung von Aspies e.V. zum Welt-Autismustag am 2. April 2013

Aspies e.V. versteht sich als Interessenvertretung autistischer Menschen in Deutschland und möchte den diesjährigen Welt-Autismustag am 2. April dazu nutzen, auf die vielfach auch heute noch verbreitete diskriminierende Darstellung des Themas Autismus in den Medien hinzuweisen und hiergegen zu protestieren. Wir von Aspies e.V. stehen dabei auch nicht alleine da, sondern sind Teil einer größeren Bewegung aus autistischen Menschen, Angehörigen und an Autismus interessierten Menschen, die sich gemeinsam dem Ziel verschrieben haben, für eine sachgerechte und aufklärende und gegen eine klischeebeladene, Autisten abwertende Darstellung von Autisten zu kämpfen. So hat Autismus Deutschland eine Pressemitteilung herausgegeben, in der diese Ziele unterstützt werden und viele Hundert Autisten haben sich auf Facebook unter der URL http://www.facebook.com/events/595019423849552/ zur Initiative „Protestaktion zum Weltautismustag gegen die Verwendung des Wortes „Autismus“ im Zusammenhang mit Politik, Wirtschaft und Amokläufen“ zusammengeschlossen. Aspies e.V. unterstützt diese und andere Initiativen ausdrücklich.

Am 14. Dezember 2012 ereignete sich in Newtown, Connecticut, ein furchtbarer Amoklauf, der 28 Menschen das Leben kostete. In der Folge wurde in den Medien nicht nur spekuliert, dass der Täter Autist gewesen sein könnte (obwohl er nie entsprechend diagnostiziert worden war), sondern es wurde, u.a. auch in der Online-Version des SPIEGEL, von Journalisten spekuliert, dass hier der Autismus eines Menschen die Ursache für eine solche Gewalttat gewesen sein könnte oder dies doch dem Leser nahegelegt, in dem auf angebliche autistische Gewalttäter in der Vergangenheit hingewiesen wurde. Eine solche Darstellung ist geeignet, Vorurteile gegen eine ohnehin von Ausgrenzung und Diskriminierung gefährdete Minderheit zu schüren. Viele Autisten, die zum Teil wegen ihres Andersseins bereits jetzt Mobbing ausgesetzt sind, erklären nunmehr, sie seien angesichts einer solchen Berichterstattung noch vorsichtiger mit dem Outing geworden. Jeder Journalist und jede Journalistin, der oder die in irgendeiner Weise mit dem Thema Autismus in Berührung kommt, muss sich also auch der journalistischen Verantwortung und der Folgen bewusst sein, die seine oder ihre Worte für autistische Menschen haben.

Die langwierige und mühsame Arbeit, die mit der differenzierten Aufklärung über die Besonderheiten autistischer Menschen verbunden ist, kann durch gedankenlose, effekthascherische oder klischeebeladene Berichte schnell wieder konterkariert werden. Die Darstellung mancher Medien zum Newtown-Amoklauf steht dabei leider in einer traurigen Tradition des diskriminierenden Umgangs mit dem Thema Autismus in Funk und Fernsehen und Zeitungen. Autistische Menschen und ihre Angehörige haben viele Hunderte Einzelfälle dokumentiert, in denen Personen, die in der Öffentlichkeit als Meinungsbildner und Multiplikatoren wirken, die Begriffe „autistisch“ oder „Autist“ im Sinne von Schimpfwörtern zur Abqualifizierung anderer Menschen verwendet haben. Wer einen Politiker, der nicht auf die Ratschläge anderer hört, als „Autist“ bezeichnet, wer eine Gesellschaft, die fehlendes Einfühlungsvermögen gegenüber sozial Benachteiligten zeigt, „autistisch“ nennt, wer skrupellosen Unternehmern „autistisches Verhalten“ attestiert, der mag sich einreden, dass er mit der Verwendung eines schicken Fremdwortes seinen Beitrag intellektuell aufwertet, tatsächlich aber beweist derjenige damit nur, dass er den Begriff gedankenlos verwendet und auf Kosten der wirklich autistischen Menschen eine Pointe sucht. Dass man es in Wahrheit gar nicht so gemeint und den Begriff in einer ganz anderen Bedeutung gebraucht habe, ist dann im Grunde nur ein weiteres Zeugnis für eben diese Gedankenlosigkeit. Weist man die Autoren darauf hin, wie ein derart missbräuchlicher Umgang mit diesen Begriffen auf autistische Menschen wirkt und wie diese durch die derart geförderte verzerrte Wahrnehmung des Themas Autismus in der Öffentlichkeit zu leiden haben, so erlebt man mitunter, das muss man fairerweise sagen, auch Entschuldigungen seitens solcher Autoren.

Es ist aber eine konsequente Ächtung, ein fortwährender Kampf gegen diese Gedankenlosigkeit nötig, damit wir künftig solche Kränkungen und Demütigungen von Autisten nicht mehr erleben müssen. Es ist traurig, wenn sich autistische Menschen nunmehr genötigt sehen, öffentlich zu erklären: „Wir sind keine Monster“, „wir sind keine Freaks“, „behandelt uns als Menschen wie andere auch“. Autisten wollen nicht länger duldsame Opfer solcher Diskriminierung sein, sondern erheben ihre Stimme und wehren sich. Sie fordern, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Dass man sie anhört, dass man ihre Sicht der Dinge akzeptiert, dass man sie als Individuen betrachtet, die die Gesellschaft bereichern und bunter machen, dass sie sich keine Beleidigungen gefallen lassen müssen und sich nicht auf Klischees reduzieren lassen müssen, kurz: dass man ihnen Respekt entgegen bringt.

bundesweite Selbsthilfeorganisation von Menschen im Autismus-Spektrum

Kontakt:
Aspies e.V. – Menschen im Autismusspektrum
Andreas Danielyan
Greifswalder Str. 4
10405 Berlin
01796605734
andreas@aspies.de
http://aspies.de/

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Original erstellt für www.hasselwander.co.uk

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