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„Ein Quad fahren ist schwere körperliche Arbeit in der Natur“

Ein Wissenschaftler über die Faszination ein Quad zu fahren und über dessen Eignung für die Erlebnispädagogik.

Sacha Szabo – Soziologe

Noch vor wenigen Jahren war es ein populärer Trend. Heutzutage sieht man sie immer seltener im Straßenverkehr: Quads. Warum das so ist, darüber sprachen wir mit dem Freiburger Soziologen Sacha Szabo , der im Auftrag des Instituts für Theoriekultur Alltagstrends untersucht.

Scheint es nur so, oder kommt das Quad langsam wieder aus der Mode.
Sacha Szabo: Der Hype scheint vorbei zu sein. Noch vor wenigen Jahren sah man in den Verkaufsprospekten von Großmärkten Quads zu Kampfpreisen. Auch gibt es weniger Quadschulen und Quad-Tourenanbieter als noch vor einigen Jahren. Das hat damit zu tun, dass die Neugierde auf das Neue vorbei ist. Die Leute, die nur mal damit fahren wollten, haben das getan und damit ist der Reiz vorbei. Aber die, die sich für dieses besondere Fahrzeug begeistern konnten, die sind dabei geblieben. Es gibt weiterhin Quad-Touren, es gibt Quadrennen. Insgesamt hat sich die Szene professionalisiert.

Was ist denn am Quad so besonders?
Sacha Szabo: Nun es sieht ja irgendwie aus wie ein Trike, wie das dreirädrige Motorrad, nur dass es vier Räder hat. Aber eigentlich ist es etwas ganz anderes. Es ist mehr Auto als Motorrad. Das merkt man bei den Kurvenfahrten. Wer sich mit dem Quad so in die Kurve legt wie mit einem Motorrad, der liegt schnell auf der Seite. Eigentlich ist ein Quad ein kleines Auto mit Motorradlenker.

Was ist der Reiz des Quad Fahrens?
Sacha Szabo: Es sind zwei unterschiedliche Fahrerlebnisse. Einmal auf der Straße zu fahren, dort ist das Erleben von Geschwindigkeit und das Fühlen des Untergrunds ein zentrales Erlebnis. Dinge, die in unseren Autos alle weggeregelt werden sind plötzlich erfahrbar. Das macht eine Fahrt wieder zu einem Erlebnis. Man kann sogar sagen, im positiven Sinne zu einem anstrengenden Erlebnis. Das zweite ist die Fahrt im Gelände. Hier ist die Fahrzeugbeherrschung entscheidend. Wie fahre ich den Hang hinauf, wo bremse ich, wie verlagere ich mein Gewicht. Diese Beherrschung des Fahrzeugs macht hier den Reiz aus.

Woher kommt eigentlich das Quad?
Sacha Szabo: Ursprünglich war das Quad ein Gebrauchsfahrzeug in der Landwirtschaft. Im Outback in Australien beispielweise wurde es eingesetzt. Diese Quads haben aber nur wenig gemein mit den Fun-Mobilen, die es in den Prospekten gab. Diese ursprünglichen Quads hatten einen Vierradantrieb und waren deutlich robuster angelegt, es waren Arbeitswerkzeuge. Diese Plastik-Quads waren tatsächlich nur ein kurzer Modetrend und nachdem man mit diesem keine Aufmerksamkeit mehr erregen konnte, verloren sie auch ihre Attraktivität.

Was fasziniert nun einen Soziologen am Quad?
Sacha Szabo: Das Quad ist ein Fahrzeug, das den Körper massiv aufwertet. Man muss richtig mit dem Fahrzeug arbeiten. Damit steht es im Gegensatz zu den aktuellen PKWs, ja selbst die populären SUVs werden ja nicht dafür angeschafft damit ins Gelände zu fahren. Bei einem Quad kommen nun Elemente, die in ähnlicher Form in der Erlebnispädagogik gefordert werden, zum tragen. Es ist Bewegung in der Natur. Der Mensch kann eine konstante Geschwindigkeit nicht wahrnehmen, das ist ja das trügerische auf einer Autobahn. Was er aber wahrnehmen kann sind Richtungsänderungen oder Geschwindigkeitsänderungen, genau das lässt einen ein Quad wunderbar erfahren.

Apropos Erlebnispädagogik, dort sind aber Fahrzeuge eher ungewöhnlich.
Sacha Szabo: Nun natürlich ist eine Zugfahrt oder ein Flug kein erlebnispädagogischer Moment. Aber bei einem Quad haben wir es mit einem Gerät ohne viel technischen Schnickschnack zu tun. Ja selbst wenn man die einzelnen Teile eines Quads heranzieht. Gummi, Eisen, alles Naturdinge, selbst das Benzin ist ein Naturprodukt. Das ist aber alles Haarspalterei. Es geht in der Erlebnispädagogik darum unter Inanspruchnahme des Körpers in der Natur ein Erlebnis zu erzeugen, das sich durch eine einzigartige Erlebnisgegenwart auszeichnet. Ein Moment in dem der Mensch sich selbst für einen kurzen Moment vergisst. Genau das passiert, wenn man einen fordernden Parcours fährt.

Glauben sie dass Quads eine Zukunft haben?
Sacha Szabo: Ich hoffe es. Ich denke es wird eine Nische bleiben, ähnlich wie die Fans von Jeeps, die weiterhin ihre Freude daran haben in Geländetouren ihre Fähigkeiten zu erproben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Institut für Theoriekultur ist einer von Deutschlands führenden Theoriedienstleistern.

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Original erstellt für www.hasselwander.co.uk

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