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Dicksein ist Normalzustand

Zucker-Hysterie fördert Übergewicht-Epidemie

Dicksein ist Normalzustand

Foto: Fotolia / SENTELLO (No. 5772)

sup.- „Das Dicksein ist heute keine Ausnahme mehr, sondern vielmehr der Normalzustand“. Zu diesem Ergebnis kommt der 13. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der auf Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes basiert. 59 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen sind übergewichtig. Einen Body-Mass-Index (BMI) von gleich oder über 25 haben am Ende ihres Berufslebens bereits 74,2 Prozent der Männer und 56,3 Prozent der Frauen. Der normalgewichtige Mann ist ab einem Alter von 30 bis 35 Jahren in der Minderheit, bei den Frauen dominieren die Übergewichtigen ab einem Alter von 55 Jahren.

Die Gründe für die Entstehung von Übergewicht sind seit langem bekannt: „Viele Menschen in Deutschland essen zu viele energiereiche Lebensmittel und bewegen sich zu wenig“, sagt Prof. Helmut Heseker, ehemaliger Präsident der DGE. In Gesundheitsdebatten stehen jedoch häufig nicht die äußerst problematische geringe körperliche Aktivität in Beruf und Freizeit sowie die insgesamt zu hohe Energieaufnahme im Vordergrund, sondern die Verteufelung von einzelnen Nährstoffen. Vor allem Zucker und mit Zucker zubereitete Lebensmittel werden gern als die wahren Verursacher von Übergewicht gebrandmarkt. Diese einseitigen Schuldzuweisungen sind nicht nur wissenschaftlich betrachtet unhaltbar, sie verstellen auch den Blick auf die eigentlichen Lebensstil-Probleme und fördern dadurch sogar die Übergewichts-Epidemie.

Laut dem Ernährungsbericht der DGE ist ein deutlicher Rückgang im Verbrauch von Zuckerwaren feststellbar, keineswegs jedoch eine Abnahme der Häufigkeit von Übergewicht. Das ist auch nicht verwunderlich, sondern bestätigt nur, dass es zwischen Zucker und Übergewicht keinen kausalen Zusammenhang gibt. Im Gegenteil: Eine Untersuchung unter Leitung von Prof. Jill Pell (Universität Glasgow) zu den Ernährungsgewohnheiten von über 130.000 Menschen kommt zu dem Resultat, dass bei Übergewichtigen im Vergleich zu Normalgewichtigen, wenig überraschend, die Gesamtzahl der aufgenommenen Kalorien und davon vor allem der Anteil an Fett als Kalorienlieferant erhöht ist. Interessant: Zuckerhaltige Lebensmittel sind hingegen als Kalorienquelle bei Übergewichtigen sogar seltener vertreten gewesen als bei Studienteilnehmern ohne Gewichtsprobleme.

Die Diskriminierung von Zucker hat offenbar den Trend begünstigt, dass sich Verbraucher von mit Zucker zubereiteten Lebensmitteln abwenden, diese aber durch andere fettreiche Produkte überkompensieren. Wissenschaftler sprechen bei diesem Phänomen von der so genannten „Zucker-Fett-Schaukel“. Entsprechend stellen die Glasgower Forscher fest, dass die Anti-Zucker-Kampagnen eher kontraproduktiv im Kampf gegen Übergewicht sind. „Die Zucker-Hysterie führt die Menschen in die Irre. Sie hat Alibi-Charakter, weil sie zum vermeintlich Verantwortlichen für Übergewicht die Lebensmittelbranche macht, statt am individuellen Lebensstil anzusetzen“, sagt der Wirtschaftspublizist Detlef Brendel, Co-Autor des lesenswerten Buches “ Die Zucker-Lüge“ (Ludwig-Verlag).

Supress
Redaktion Ilona Kruchen

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