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Das Maß aller Dinge

Leben nach Stichtagen und Grenzwerten

sup.- Es ist erstaunlich, was Experten mit hoher Genauigkeit berechnen können. Ab dem 11. Juli, exakt ab 6.14 Uhr, arbeiten die Deutschen für den eigenen Geldbeutel. Das davor verdiente Geld geht rechnerisch an den Staat. Wer an dem Tag erst um 9.00 Uhr zur Arbeit geht, schadet sich also, zumindest rechnerisch, selbst. Und bald werden Fachleute vielleicht ausrechnen, an welchem Tag wir genug geheizt haben. Danach werden in Wohnzimmern Pullover getragen.

Experten können alles berechnen. Das Unternehmen Foodwatch, das ernährungswissenschaftliche Gewissen der Nation, hat jetzt berechnet, dass Kinder und Jugendliche am 12. August genug Zucker für das ganze Jahr gegessen haben. Ab dem „Kinder-Überzuckerungstag“ ist Schluss mit Schokolade und Müsli. Doch die Eltern sollten sich nicht in Sicherheit wiegen. Bald wird wohl auch bestimmt, an welchem Tag sie genug Fleisch gegessen haben, um dann auf Rohkost umzusteigen.

Berechnen lässt sich vieles, um dann als Basis für ideologische Forderungen genutzt zu werden. Foodwatch fordert, dass Werbung für angeblich Ungesundes nur noch Nachts erlaubt sein soll. Dann liegt der Nachwuchs im Bett und kann nicht zu Leckereien verführt werden. 15 Prozent der Kinder, so die Ernährungs-Ideologen, sind übergewichtig. Immerhin sind dann 85 Prozent schlank und fit. Aber auch die dürfen keine Werbung mehr sehen.

Rechnen mit Absicht ersetzt hier Nachdenken über die Wirklichkeit. Vielleicht sollten die Experten für Lebensstil-Fragen einmal ermitteln, bis wann Kinder und Jugendliche genug vor Spielekonsolen gesessen haben, um diese dann nach dem Stichtag abzuschalten und Sport zu treiben.

Supress
Redaktion Detlef Brendel

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Original erstellt für www.hasselwander.co.uk

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