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Interview mit Prof. Dr. Elisabeth Müller

„Familienunternehmen nutzen regionale Identität als Erfolgsfaktor“
Heilbronn, 19. Januar 2016

Interview mit Prof. Dr. Elisabeth Müller

Interview mit Prof. Dr. Elisabeth Müller

Familienunternehmen sind für die deutsche Wirtschaft von großer Bedeutung, sagt Elisabeth Müller, Professorin für Entrepreneurship (http://www.ggs.de/studium/msc-in-innovationsmanagement/) und Familienunternehmen an der German Graduate School of Management and Law (GGS) in Heilbronn. Im Interview äußert sie sich zu den Erfolgsfaktoren familiengeführter Unternehmen und der Rolle des Unternehmensstandorts.

Welche Bedeutung haben Familienunternehmen für die deutsche Wirtschaft?
Familienunternehmen sind ein starkes Rückgrat der Wirtschaft. Über die Hälfte der in der Privatwirtschaft beschäftigten Personen arbeiten in familienkontrollierten Unternehmen. Sie erbringen damit einen Anteil von 48 Prozent am deutschen Gesamtumsatz. Auch die Beschäftigungsentwicklung in Deutschland profitiert enorm von Familienunternehmen. Während die 500 beschäftigungsstärksten Familienunternehmen im Zeitraum von 2006 bis 2012 ihre Inlandsbeschäftigung um elf Prozent steigern konnten, reduzierten die nicht-familiengeführten DAX-Unternehmen ihre Mitarbeiteranzahl im Inland um sieben Prozent.

Was zeichnet unternehmerisch tätige Familien aus?
Familienunternehmen entwickeln sich häufig über organisches Wachstum. Das heißt, sie müssen von Anfang an sparsam mit ihren Ressourcen umgehen und sie sind an einer langfristigen Entwicklung von Technologien und Produkten interessiert. Der Familienkontext hat eine positive Wirkung auf die Innovationsfähigkeit. Durch kontinuierliche Verbesserungsprozesse und das Ausnutzen von Lerneffekten haben Familienunternehmen das Potenzial, zum Hidden Champion aufzusteigen.

Welche Rolle spielt dabei der Standort des Unternehmens?
Durch die regionale Identität entsteht eine langfristige Verbundenheit der Mitarbeiter zum Unternehmen. Vielfach sind die Eigentümer für die Mitarbeiter des Unternehmens im Betrieb sichtbar und schaffen ein Gemeinschaftsgefühl. Dies führt zu einem verantwortungsvollen Miteinander und die Hemmschwelle zur kurzfristigen Produktionsverlagerung ins Ausland steigt. Beim gesellschaftlichen Engagement – egal ob sozial, sportlich oder kulturell – legen Familienunternehmen Wert auf einen starken Bezug zum Unternehmensstandort. Familienunternehmen prägen damit Strukturräume und nutzen die regionale Identität als weiteren Erfolgsfaktor.

Heißt das, die Loyalität von Arbeitnehmern ist bei Familienunternehmen höher?
Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten würden viele Familienunternehmen nur Mitarbeiter entlassen, wenn es nicht anders geht. Diese Fürsorge wird von den Mitarbeitern mit einer starken Loyalität zum Unternehmen honoriert.

Wodurch unterscheiden sich familiengeführte von anderen Unternehmen?
Familienunternehmen sind auf Dauer angelegt. Sie basieren oft auf der langjährigen Expertise der Gründer, denen der Bestand des Unternehmens am Herzen liegt. Im Gegensatz dazu versuchen sich wagniskapitalfinanzierte Startup-Unternehmen kurzfristig mit ihrer Idee am Markt durchzusetzen, was zum Teil erhebliche Scheiterrisiken birgt. Börsennotierte Unternehmen hingegen sind vom Blick auf die Quartalsbilanz getrieben. Jedoch können sie auch sehr kapitalintensive Aufgaben wahrnehmen und zeichnen sich durch eine hohe Effizienz aus.

Zur Person:

Elisabeth Müller ist seit 1. September 2015 Professorin für Entrepreneurship und Familienunternehmen an der German Graduate School of Management and Law in Heilbronn. Die 44-jährige Wissenschaftlerin verantwortet im Studiengang M.Sc. in Management den Themenschwerpunkt Innovationsmanagement. Davor arbeitete sie als Professorin für Innovationsmanagement an der Frankfurt School und am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, zuletzt als Senior Researcher im Forschungsbereich Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung. Die zweifache Mutter veröffentlicht ihre Forschungsergebnisse regelmäßig in internationalen Journals und ist als Board Member im Asia Pacific Innovation Network (APIN) und bei der European Financial Management Association (EFMA) vertreten.

Die German Graduate School of Management and Law ist eine staatlich anerkannte private Hochschule, die von der Dieter Schwarz Stiftung gefördert wird. Sie ist international ausgerichtet und arbeitet weltweit mit führenden Universitäten in Forschung und Lehre zusammen. Im Zentrum von Lehre und Forschung steht die Entwicklung der Unternehmerpersönlichkeit und die Gestaltung von Innovationsprozessen. Die German Graduate School of Management and Law konzentriert sich auf berufsbegleitende Studienprogramme für Führungstalente und bietet Weiterbildungsprogramme für Führungsteams an.

Kontakt
German Graduate School of Management and Law
Thomas Rauh
Bildungscampus 2
74076 Heilbronn
07131 645636-45
thomas.rauh@ggs.de
http://www.ggs.de

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Original erstellt für www.hasselwander.co.uk

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