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Das Dilemma der konservativen Theorie

Von Ansgar Lange +++ „Das Konservative ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.“ Schöner kann eine Definition konservativen Denkens kaum ausfallen. „Konservatives Denken und Handeln ist im Innern wie nach außen bestimmt von einem pessimistischen Gradualismus: Kampf für Prinzipien, so lange wie möglich – verbunden mit Konzessionen, wo es nicht anders geht“, schreibt der Publizist und heutige AfD-Politiker Alexander Gauland in seiner „Anleitung zum Konservativsein“.

In seinem aktuellen Buch „Konservativ!“ versucht sich der Wirtschaftsanwalt und Publizist Wolfgang Philipp ebenfalls an einer Definition dieses Begriffs. Schade, dass als Untertitel „Die Antwort auf den „Kampf gegen Rechts““ gewählt wurde. Denn nicht jeder Konservativer ist ja ein „Rechter“, und außerdem wirkt diese Zeile etwas defensiv: Der Konservative im Schützengraben und im Abwehrkampf gegen „die Linke“, die ihm Böses will!

Das im Gerhard Hess Verlag erschienene Werk widmet sich denn auch zu großen Teilen dem sogenannten „Kampf gegen Rechts“. Die einschlägig bekannten Einzelfälle wie Philipp Jenninger, Martin Hohmann, Eva Herman und Thilo Sarrazin werden noch einmal referiert. Selbstverständlich ist ein „Kampf gegen Rechts“ insofern Unsinn und einseitig, da der „Kampf gegen Links“ völlig fehlt. Rechtes wie linkes Denken muss in einer freien Gesellschaft seinen Platz haben. Notwendig ist ein Kampf der wehrhaften Demokratie gegen politischen Extremismus – sei er nun rechts, links oder islamistisch drapiert.

Zuzustimmen ist Phillipp, wenn er schreibt: „Der wohl brutalste Kampf gegen die Meinungsfreiheit wurde von starken linken Kräften aber gegen eine Berliner Wochenzeitung geführt, die sich „Junge Freiheit“ nennt, also die Freiheit des Menschen als ein Ur- und Grundrecht auf ihre Fahnen geschrieben hat.“ Mittlerweile ist die Zeitung voll rehabilitiert, nicht nur deshalb, weil höchst honorige Personen für sie geschrieben oder ihr Interviews gegeben haben – bis in die deutsche Sozialdemokratie hinein. Doch noch immer ist es (leider) so, dass derjenige, der sie bezieht, in ihr schreibt oder ihr ein Interview gibt, sich anschließend oft verteidigen oder rechtfertigen muss.

Große Teile des Buches sind der „Euro-Rettung“ gewidmet. Sie funktioniert nach Ansicht des Autors nach dem Prinzip „Vertragsbruch, Täuschung und Verschleierung als politisches Prinzip“. Auch wenn Philipp in seiner Analyse durchaus Recht haben mag: Letztlich ist die „Euro-Rettung“ kein Beispiel für schlechte linke oder gute konservative Politik. Sie ist schlicht ein Beispiel für schlechte Wirtschaftspolitik zu Lasten nachfolgender Generationen und eines gedeihlichen Zusammenlebens der Völker in Europa.

Am Ende seines Buches liefert Philipp eine Auflistung all dessen, was seiner Meinung nach zu tun sei. Der politische Kampf müsse wieder „gesitteter“ ablaufen. In der Europapolitik müsse zum Recht zurückgekehrt werden. Die Brüsseler Verwaltung müsse abgebaut werden. Der „Werbeterror“ im öffentlichen Fernsehen müsse aufhören, genauso wie „Schwulenpropaganda“ (dieses verletzende Wort hätte der Autor besser vermieden). Die Energiepolitik müsse wieder realistischer werden.

Allen diesen Forderungen kann man zustimmen, man kann es aber auch sein lassen. Es fällt schwer, sie als ein konservatives Programm zu betrachten, das allgemeinverbindlich wäre. Konservative sind vielleicht aus gutem Grunde theoriefaul. Denn letztlich muss man sich eingestehen, dass sich nicht alle Konservativen auf den einen konservativen Forderungskatalog einigen können. Denn „das“ konservative Denken gibt es nicht. Doch definitiv greift es zu kurz, Konservativismus auf den Kampf gegen den „Euro-Wahn“ oder den sogenannten „Kampf gegen Rechts“ zu reduzieren. Insofern lässt einen dieses Buch etwas ratlos zurück.

Wolfgang Philipp: Konservativ! Die Antwort auf den „Kampf gegen Rechts“. Wider Unfreiheit und Anarchie. Gerhard Hess Verlag: Bad Schussenried 2014. 177 Seiten. 14,95 Euro.

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