Zukunftstrends in der Medizin

„Gewebeflicken“ für geschädigte Herzen

Foto: Fotolia / Syda Productions (No. 5948)

sup.- Nach einem überstandenen Herzinfarkt verbleibt ein, je nach Verlauf des Ereignisses, mehr oder minder großes Areal des Herzmuskels, das vernarbt ist. Diese Narbenflächen vermindern die Leistung des Herzmuskels und können mittelfristig zu erneuten Infarkten führen. Große Hoffnung zur „Reparatur“ eines derart geschädigten Herzens setzen Wissenschaftler in die Stammzelltherapie. Kanadische Forscher um Prof. Milica Radisic (Universität Toronto) konnten jetzt in einem Tierversuch mit Ratten wie auch Schweinen zeigen, dass die Herzfunktion nach einem Infarkt durch einen injizierbaren „Gewebeflicken“ verbessert werden kann.

Der Flicken ist kleiner als eine Briefmarke und mit Herzmuskelzellen beschichtet. Er ist so flexibel, dass er in eine Kanüle mit einem Millimeter Durchmesser passt und minimalinvasiv angebracht werden kann. Grundlage des Flickens ist eine künstliche Gitternetzstruktur. Auf ihr wachsen im Labor Herzmuskelzellen, die aus so genannten pluripotenten Stammzellen des Patienten gewonnen wurden. Das Gitternetz zerfällt nach dem Einbringen über eine Kanüle mit der Zeit, übrig bleibt das zusätzliche Herzgewebe. „Das Pflaster kann das Herz nicht wieder vollständig gesund machen. Aber wenn wir es schaffen, dass es beim Menschen funktioniert, dürfte es unserer Meinung nach die Lebensqualität deutlich steigern“, hofft Prof. Radisic. Dieser vielversprechende Ansatz auf der Basis von Stammzellen ist nach Einschätzung der Wissenschaftler auch eine mögliche Option, um künftig andere geschädigte Organe wie z. B. die Leber zu regenerieren.

Im Gegensatz zur Verwendung von embryonalen Stammzellen ist die therapeutische Nutzung von adulten (erwachsenen) Stammzellen in ethischer Hinsicht unproblematisch. Die jüngsten und vitalsten Stammzellen eines jeden Menschen können bereits bei dessen Geburt aus dem Nabelschnurblut sowie Nabelschnurgewebe gewonnen und durch eine spezielle Einlagerung langfristig für potenzielle medizinische Anwendungen im Laufe des Lebens gesichert werden. Für diese Form der individuellen Gesundheitsvorsorge engagiert sich nach Informationen von Dr. Wolfgang Knirsch, Vorstandsvorsitzender von Vita 34 ( www.vita34.de), jedoch in Europa im Gegensatz zu einigen asiatischen Ländern wie Südkorea und Singapur bislang nur eine verschwindende Minderheit der werdenden Eltern.

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