Categories: Medien, Kommunikation

WEF Davos: Inszenierung oder Glaubwürdigkeit?

Ein persönlicher Eindruck aus kommunikativer Sicht von Stefan Häseli

AdobeStock_1164674776

Es war einst die Idee des WEF, des Weltwirtschaftsforums in Davos (https://www.weforum.org/meetings/world-economic-forum-annual-meeting-2026/), Menschen aus Wirtschaft und Politik, die auf den grossen Bühnen dieser Welt etwas zu sagen haben, in einer lockeren Atmosphäre zusammenzubringen. Jeder kennt das aus dem eigenen Unternehmen: Gute Ideen entstehen oft nicht im Sitzungszimmer, sondern in der Kaffeepause oder bei ungezwungenen Gesprächen am Rand. Genau das war die ursprüngliche Stärke des WEF – und genau darin lag seine kommunikative Glaubwürdigkeit.

Viele Jahre funktionierte dieses Konzept. Mit der Zeit wurde es erweitert, gleichzeitig aber auch verschoben. Die Acts rückten immer stärker in Richtung Politik. Es gehörte quasi zum guten Ton, als Staatspräsidentin oder Staatspräsident in Davos präsent zu sein. Für die Schweizer Regierung war das ebenfalls eine charmante Sache: Auf engem Raum, gewissermassen in der eigenen Stube, die internationale Creme de la creme zu treffen. Das alles hatte – und hat – sehr viel mit Kommunikation zu tun, wenn nicht gar ausschliesslich mit Kommunikation und ihrer Wirkung nach innen und aussen.
Das WEF war Kommunikation pur. Vielleicht ist es das heute noch. Ich war dieses Jahr nicht zum ersten Mal persönlich in Davos und stellte zwei Dinge fest.

Erstens: Alles drehte sich um Donald Trump. Der Geist von Davos wirkte wie eine Inszenierung, in der er sich sichtlich gefiel – denn alles kreiste um seine Person. Eine gefühlte Mehrheit der Teilnehmenden zeigte sich jedoch irritiert vom inoffiziellen World Trump Forum. Das ist nicht nur ein persönlicher Eindruck, sondern ein Fazit aus zahlreichen Gesprächen mit Journalistinnen und Journalisten vor Ort.

Einige sprachen offen davon, dass Davos beziehungsweise das WEF seine Seele verkauft habe – und damit auch einen Teil seiner Glaubwürdigkeit. Die neue Führung des WEF habe sich den Amerikanern unterworfen: Ihre Firmen, ihre Themen dominierten wie nie zuvor. Bei Trumps zweitem Auftritt im grossen Saal prangte am Rednerpult nicht etwa das WEF-Logo, sondern das Emblem des US-Präsidenten. Moderiert wurde der Anlass von Trumps Pressesprecherin. Aus meiner Sicht der Kommunikation (https://www.stefan-haeseli.com) ist das ein starkes – und problematisches – Signal. Es untergräbt die Glaubwürdigkeit des Forums und entzieht der ursprünglichen Idee einen Teil ihres Sinn- und Existenzgrundes.

Zweitens: Es drehte sich eben doch nicht alles um Donald Trump – nur bekam davon kaum jemand etwas mit. Es gibt sie nach wie vor, die Side-Events und das Open Forum, an denen hochspannende Gespräche stattfinden. Diese Anlässe sind gut besucht, lösen Denkimpulse aus und verkörpern vielleicht mehr denn je den ursprünglichen Pioniergeist (https://www.karrierefuehrer.de/ingenieure/pioniergeist-erfolgsprinzip-zukunft.html) des WEF. Sie sind kommunikativ glaubwürdig, offen und dialogorientiert. Leider laufen sie medial weitgehend unter dem Radar der grossen Öffentlichkeit. Aber: Diese Form der Kommunikation lebt noch – und damit auch ein Rest an Glaubwürdigkeit.

Vielleicht kann man genau darauf aufbauen. Vielleicht ist die Welt in zwölf Monaten wieder eine andere. Und vielleicht rückt dann am WEF wieder das ins Zentrum, worum es ursprünglich ging: echte Kommunikation, gelebte Glaubwürdigkeit und der Austausch auf Augenhöhe – statt einer ausgelagerten Pressekonferenz des Weissen Hauses.

Stefan Häseli
Kommunikationsexperte und Beobachter des WEF Davos

Vortragsredner, Keynote Speaker

Kontakt
Atelier Coaching & Training AG
Stefan Häseli
Ringstrasse 16a
9200 Gossau
+41 79 456 98 22

Hasselwander-PR

PR-Neuigkeiten: Das individuelle Partnernetzwerk

Share
Published by
Hasselwander-PR

Recent Posts

UPDF als Leader ausgezeichnet im G2 Herbst 2026 Bericht

Zwölf G2-Badges würdigen UPDF und unterstreichen die Entwicklung zu einer praktischen Dokumentenplattform für Nutzer weltweit.…

2 Minuten ago

Dual Mode für flexible Business-Workflows: der Philips Monitor 34B2U5900C

Amsterdam, 2. September 2026 - Philips bringt mit dem 86,4 cm (34“) Monitor 34B2U5900C (https://www.philips.de/c-p/34B2U5900C_00/geschwungener-business-monitor-dual-modus-monitor-mit-usb-c)…

5 Minuten ago

KI-Sichtbarkeit wird zum Wettbewerbsfaktor: Viele Unternehmen in Sachsen bleiben bei ChatGPT und Google Gemini unsichtbar

Warum ungepflegte Google-Profile bei ChatGPT und Google Gemini zu Kundeneinbußen führen und wie Betriebe darauf…

5 Minuten ago

Studie Digitale Souveränität: Balanceakt zwischen Kontrolle und Abhängigkeit

Studie von Foundry und easy software AG zeigt Prioritäten deutscher Unternehmen hinsichtlich IT-Sicherheit, Daten-Ownership und…

6 Minuten ago

allcop ab sofort mit FSC®-zertifizierten Produktgruppen

(Bildquelle: FSC Global Development GmbH)Lindenberg im Allgäu, 31.08.2026 Das Unternehmen hat mehrere Produktgruppen nach dem…

2 Stunden ago

Wie aus Stolpersteinen Seifenblasen werden

Melanie Maria Zenz erzählt vom Mut, das eigene Leben neu zu gestalten Was geschieht, wenn…

2 Stunden ago