Produktfälschungen überschwemmen Europa

Qualitätsbewusstsein schützt vor Imitaten

Grafik: Supress

sup.- Erst kommt die Enttäuschung, dann die Erkenntnis: Das war ja gar kein echtes Markenprodukt, wofür ich mein Geld ausgegeben habe. Ob Kleidung, Kosmetika, Elektronik oder andere Warengattungen – wer auf Plagiate hereinfällt, kann auf Qualitätskriterien wie z. B. Langlebigkeit, Funktionalität oder Schadstofffreiheit nicht zählen. Und wenn es auf Service- oder Garantieleistungen ankommt, dann geht ein Käufer gefälschter Produkte erst recht leer aus. Leider gibt es immer mehr Verbraucher, die diese ärgerliche Erfahrung machen müssen. Fünf Prozent aller Einfuhren in die EU sind nach jüngsten Daten und Hochrechnungen nachgeahmte oder unerlaubt hergestellte Waren. Der Wert der Fälschungen wird mittlerweile auf jährlich bis zu 85 Mrd. Euro beziffert. Diese alarmierenden Zahlen hat das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) bekanntgegeben, das sich bei seiner Einschätzung auf rund eine halbe Mio. Zollbeschlagnahmen weltweit stützen kann. Danach reicht die Bandbreite der Produktfälschungen von Luxusartikeln über pharmazeutische Erzeugnisse bis zu chemischen Stoffen und ganzen Maschinen.

Angesichts des globalen Internethandels wird es für die Ermittler und Zollbehörden immer schwieriger, unter Millionen verschickter Warensendungen die Pakete mit den Imitaten herauszufischen. Umso wichtiger ist es für die Kunden, nur bei seriösen und vertrauenswürdigen Anbietern zu bestellen. Es liegt auf der Hand, dass gerade beim Onlinekauf von Medikamenten Vorsicht geboten ist. Aber auch der vermeintlich günstige Preis weiterer Waren könnte durch den Verzicht auf Sicherheitsstandards, Prüfzertifikate und andere Qualitätsnormen erzielt worden sein. Um diese Risiken zu vermeiden, sollte der Preis alleine niemals das ausschlaggebende Kaufkriterium sein. Ungewöhnliche Dumpingangebote für ein angebliches Markenfabrikat sind oft Alarmsignale, die auf das Fehlen hochwertiger Produkteigenschaften und Serviceleistungen hinweisen.

Als wirksamster Verbraucherschutz gilt deshalb ein grundsätzliches Qualitätsbewusstsein, das sich einen wachsamen Blick auf realistische Preis-Leistungsverhältnisse bewahrt.

Leider bemüht sich derzeit das Bundeskartellamt, den Stellenwert zu relativieren, den beispielsweise die Produktgüte, aufwändige Fertigungskontrollen und Gewährleistungen sowie die Erreichbarkeit des Herstellers für den Wert einer Ware haben. Sofern bei echten Markenanbietern diese verbraucherorientierten Leistungen in die Preisgestaltung einfließen, werden kartellrechtlich untersagte Absprachen zu Lasten der Kunden vermutet. Aber der Schaden auf Verbraucherseite ist wesentlich größer, wenn ein „Discountry“ mit Billigpreisen behördlicherseits zur Norm erklärt wird und Kundenorientierung, die sich von billigen Plagiaten konsequent abgrenzt, nicht weiter finanzierbar bleibt. „Eine Behörde, die durch Verbote hier regulierend eingreift, stärkt nicht den Wettbewerb, sondern verzerrt diesen in geradezu bedrohlicher Weise“, warnt der Wirtschaftspublizist Detlef Brendel (http://www.pressebuero-brendel.com) in dem Buch „Wirtschaft im Würgegriff / Wie das Kartellamt Unternehmen blockiert“ (Campus Verlag, ISBN 978-3-593-50150-5): „Durch dirigistische Markteingriffe werden Existenzen vernichtet, der Wettbewerb reduziert und Marken nachhaltig geschädigt.“

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