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Mit dem Willen Berge versetzen

Warum Willenskraft für Manager wichtiger ist als Charisma und Visionen

Von Ansgar Lange +++ August 2013. „Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen. Dieses Bonmot wird Alt-Kanzler Helmut Schmidt zugeschrieben. Ein Manager oder eine Führungskraft mit Visionen muss nicht gleich zum Arzt gehen. Allerdings steht außer Frage, dass ohne Willenskraft und die Fähigkeit, die eigenen Ziele auch in die Tat umzusetzen, Manager nicht so erfolgreich sein können wie ihre willensstarken Kollegen“, sagt der Personalexperte Michael Zondler.

Zondler, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens centomo http://www.centomo.de mit Sitz in Ludwigsburg, Sindelfingen und London, hat in seiner unternehmerischen Praxis festgestellt, dass die Leute mit dem besten Lebenslauf oder einer tollen persönlichen Ausstrahlung oft nicht die erfolgreichsten Führungskräfte werden. „Viele kennen diese Erfahrung von Klassentreffen. Man sieht sich 20 Jahre nach dem Abitur und stellt fest: Hey, der Einser-Abiturient von damals und die Streberin aus der ersten Reihe sind im Leben gar nicht so weit vorangekommen wie ein paar Schüler, die damals nur notenmäßiger Durchschnitt waren. Im Leben – privat wie beruflich – kommt es nämlich darauf an, aus den Gaben, die einem sozusagen in die Wege gelegt wurden, das Beste zu machen. Und das gelingt in der Regel nicht nur über Begabung, Charme und Charisma, sondern über die pure Kraft des Willens. Erfolgreiche Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie auch Dinge anpacken, zu denen sie eigentlich keine Lust haben. Sie kämpfen gegen Widerstände an und geben nicht gleich jeder Verlockung oder Ablenkung nach. Auch wenn es Binsenweisheiten sind: An Sprüchen wie „Ohne Fleiß kein Preis“ und „Der Wille versetzt Berge“ ist etwas Wahres dran“.

In der Managementlehre spricht man daher auch von Volition. Hierunter versteht man die Fähigkeit von Führungskräften, mittels Willenskraft einmal definierte Ziele zu erreichen und dabei Zielkonflikte und Unlustgefühle zu überwinden. Studien belegen, dass oft nicht die intellektuellen Überflieger ganz nach oben kommen, sondern eher diejenigen, die über praktische Intelligenz verfügen. Willensschwache Menschen neigen im Extremfall sogar dazu, die persönliche Flucht in Alkohol, Ess- und Drogensucht oder auch Gewalt zu suchen. Angeblich sollen nur etwa zehn Prozent aller Manager ihre Aufgaben mit voller Energie und Fokussierung erledigen.

„Im Kampf um die knapper werdenden Talente bei uns in Deutschland wird die Willenskraft zu einem immer wichtigeren Faktor. In Gesprächen mit den High Potentials, die wir als Personalberatungsunternehmen vermitteln, achten wir daher zum Beispiel auf folgende Punkte: Wirkt ein Kandidat fokussiert? Hat er seine Stimmungen und Emotionen im Griff? Tritt er selbstbewusst und durchsetzungsstark auf? Ist er eher ein intellektueller Luftikus oder ein Problemlöser mit praktischer Intelligenz? Verfügt der Kandidat über Selbstdisziplin?“, so Zondler.

Selbstverständlich verlören die üblichen Referenzen (Zeugnisse, Auslandsaufenthalte, berufliche Stationen etc.) nichts von ihrer Gültigkeit. „Fehlen aber der nötige Biss und die Bereitschaft, auch mal über die Schmerzgrenze hinaus Dinge anzupacken, die einem vielleicht nicht so viel Spaß machen oder langweilig sind, dann eignet sich ein solcher Kandidat unserer Meinung nach nicht zur Führungskraft. Das Schöne daran ist, dass man Willenskraft auch erlernen kann, zum Beispiel, in dem man sich Schritt für Schritt nicht zu ambitionierte Ziele setzt, die man dann aber auch erreicht. Ein Schriftsteller, der nur auf seine Inspiration wartet und sich nicht jeden Tag ein paar Stunden an den Schreibtisch setzt, wird nie ein ganz Großer seines Faches werden. Klaviervirtuose werden sie nur, wenn Sie jeden Tag fleißig üben, auch wenn Sie vielleicht lieber ins Schwimmbad oder auf den Fußballplatz gehen würden. Und eine Top-Führungskraft wird man ebenfalls nur dann, wenn man sich nicht nur die Rosinen herauspickt“, meint Zondler.

Schon Goethe wusste dies in „Wilhelm Meisters Wanderjahren“: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“

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