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Lebensmittel landen zu oft in der Mülltonne

Berlin (www.wirtschaftsnachrichten.org) – Auf den Teller statt in die Tonne. Mehr Aufklärung zu Mindesthaltbarkeitsdatum soll nun den Wegwerfmissbrauch stoppen. Denn elf Millionen Tonnen Lebensmittel wandern jährlich in deutsche Mülltonnen. Mindesthaltbarkeitsdatum und Nahrungsverschwendung gehen dabei Hand in Hand. Zu schnell, so Verbraucherministerin Ilse Aigner, verleite das aufgedruckte Datum dazu, Lebensmittel in den Müll zu werfen. Die aktuelle Bilanz: Rund 82 Kilo Lebensmittel entsorgt jeder Bundesbürger pro Jahr als Abfall.

Seit mittlerweile 30 Jahren verlangt der Gesetzgeber europaweit die Angabe eines Mindesthaltbarkeitsdatums. Seinen eigentlichen Zweck vergegenwärtigen sich allerdings die Wenigsten. So dienen die Zahlen auf Milch, Joghurt und Co. als Orientierungshilfe, nicht als Stichtag zum Wegwerfen. Der Hersteller garantiert, dass das ungeöffnete Produkt bei richtiger Lagerung bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums Eigenschaften wie Geschmack und Nährwert behält. Dem gegenüber steht das Verbrauchsdatum. Vor allem bei leicht verderblichen Produkten wie rohem Fleisch kann sich der Kunde danach richten, bis wann das Produkt verbraucht sein sollte.

Die Fehlinterpretation der Mindesthaltbarkeit durch den Verbraucher schlägt sich in Tonnen von Lebensmittelabfall nieder. Von den elf Millionen Tonnen Lebensmitteln, die Industrie, Handel, Großverbraucher und Privathaushalte jedes Jahr als Abfall entsorgen, entfällt der Großteil – knapp 6,7 Millionen Tonnen – auf die Privathaushalte. Laut Ergebnis einer Studie der Uni Stuttgart im Auftrag Ministeriums werden jährlich rund 21 Milliarden Euro auf diese Weise verschwendet und auch die Klimabilanz durch den Transport unnötig belastet.

Dabei ließe sich knapp die Hälfte der Nahrungsabfälle vermeiden. Um den Berg verschwendeter Lebensmittel bis zum Jahr 2020 zu halbieren, setzt das Ministerium seit Kurzem gemeinsam mit dem Lebensmitteleinzelhandel auf bessere Aufklärung: Unter dem Motto „Zu gut für die Tonne“ gibt die Infokampagne in rund 21.000 Supermärkten den Verbrauchern Daten und Fakten zum richtigen Umgang mit Lebensmitteln an die Hand. Von Seiten der Politik soll die direkte Vermarktung stärker gefördert werden. Verkürzen sich Transport und Lagerung, bleibt die Ware länger frisch, so die Rechnung von Verbraucherministerin Aigner. Zudem sollen Lebensmittelnormen der EU und des Handels abgeschafft werden, die dafür sorgen, dass Tonnen von Obst und Gemüse als nicht der Norm entsprechender Abfall entsorgt werden.

Erste Erfolge zeigt die Diskussion um das Thema bereits jetzt. Einer Umfrage des Verbraucherschutzministeriums zufolge geht inzwischen fast jeder Fünfte bewusster mit Lebensmitteln um. Vor allem bei jungen Menschen setzt demnach ein Umdenken ein. Mehr als ein Viertel der 14- bis 29-Jährigen schaut mittlerweile genauer hin, bevor der abgelaufene Joghurt im Mülleimer landet.

Tipps des Verbraucherministeriums:

Planen: Einkäufe im Voraus planen und nur so viel kaufen, wie man bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verbraucht.

Prüfen: Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums hilft das Prüfen mit allen Sinnen – sehen, riechen, fühlen, schmecken. Lässt sich nichts Auffälliges feststellen, kann das Produkt in der Regel noch gegessen werden.

Transport & Lagerung: Werden Produkte richtig transportiert und gelagert, bleiben sie länger frisch und müssen nicht unnötig weggeworfen werden.

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