Ernst Klett Sprachen und das Sieber & Paasch Institut sensibilisieren Fachkräfte in Traumapädagogik.

Traumapädagogin Christa Sieber, München (Bildquelle: @ Sieber & Paasch Institut)

Stuttgart/München. Das Erlernen der deutschen Sprache ist für viele Geflüchtete eine große Herausforderung. Integration und damit die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Deutschland setzen aber entsprechend ausreichende Sprachkenntnisse voraus. Diese Basisqualifikation zu vermitteln, ist für viele Pädagoginnen und Pädagogen immer wieder eine Herausforderung. Denn die Lernmotivation wird bei den Schutzsuchenden oft durch ihren Leidensweg beeinträchtigt.
Dass das Lernen einer Fremdsprache mit Schwierigkeiten verbunden sein kann, kann jeder nachvollziehen, der sich während seiner Schulzeit mit Englisch-, Französisch- oder Lateinvokabeln abmühen musste.
Haben Menschen leidvolle, ja sogar lebensbedrohliche Erfahrungen gemacht, findet der Spracherwerb unter erschwerten Bedingungen statt. Die teilweise traumatischen Erlebnisse beeinflussen das Leben der Migranten in einem hohen Maß, selbst wenn sie sich in Deutschland in Sicherheit wähnen dürfen. So können beispielsweise unscheinbare, für uns oft bedeutungslose Geräusche bei den Geflüchteten Erinnerungen aufleben lassen, die sie erneut in Angst und Panik versetzen. „Oft sind es Kinder, die sich beispielsweise bei der Geräuschkulisse eines Fußballkickerspiels angstvoll zusammenkauern, und versuchen eine Schutzhaltung einzunehmen“, erklärt Traumpädagogin Christa Sieber vom Sieber & Paasch Institut in München. „Das Klackern erinnert sie an den Gebrauch von Schusswaffen, die man gegen sie selbst und ihre Familien eingesetzt hat. Diese Kinder gehen dann in eine Art Schockstarre und sind dann für längere Zeit nicht ansprechbar. Jugendliche und erwachsene Flüchtlinge rasten bei einem ähnlichen Trigger urplötzlich aus und zerlegen das Inventar. Das dahinterliegende neuronale Prinzip ist das Gleiche. Die Erinnerung an die Todesängste kappt die Verbindung zur Hirnrinde (dem Cortex). Ein rationales Handeln wird erschwert beziehungsweise gänzlich verhindert.

Und so kann es eben zu einem ohnmächtigen Erstarren (Freeze) oder einem hohen Maß an Aggression kommen“, führt die Expertin weiter aus. „Lernen ist jedenfalls dann nicht mehr möglich.“
Auch wenn es nicht immer zu solchen Extremsituationen kommen muss, erleben Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten ihre Umwelt anders. Erfahrenes Leid erhöht die Alarmbereitschaft des Körpers. Damit einher geht oft eine erhöhte Unaufmerksamkeit durch anhaltende Schlafstörungen, körperliche Beschwerden oder durch hochaktive Stresschutzreflexe. Traumatisierte können in ihren Mitmenschen aufgrund schlechter Erfahrungen eine potenzielle Gefahr vermuten. Selbst wenn diese die besten Absichten hegen.
Wie aber können Lehrerinnen und Lehrer, die Deutsch als Fremdsprache (DaF) unterrichten damit umgehen? Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um Krisensituationen zu erkennen und eine Lösung herbeizuführen?
Pädagogen der schulischen Fachbereiche für diese herausfordernde Aufgabe zu sensibilisieren, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, als auch praktikable Methoden für den sofortigen Einsatz anzubieten, ist ein Anliegen des Verlages Ernst Klett Sprachen GmbH. Hierzu ging das Bildungsunternehmen die Kooperation mit dem Münchener Sieber & Paasch Institut ein, welches durch die Reflexintegration bei Kindern und Jugendlichen bekanntgeworden ist. Institutsleiterin Christa Sieber, die unter anderem als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Traumapädagogin in eigener Praxis arbeitet, engagiert sich seit Jahren für eine stärkere Berücksichtigung der neuronalen Entwicklung von jungen Menschen in ein pädagogisches Gesamtkonzept. Denn schulische- und motorische Einschränkungen finden ihre Ursache oft in nicht ausgereiften oder in nicht integrierten frühkindlichen Reflexen.
Auf Grundlage dieser Erkenntnisse und dem Wissen um die Verwundbarkeit der menschlichen Psyche ist die Veranstaltungsreihe von Ernst Klett Sprachen ein Meilenstein für eine positive und nachhaltige Integrationsarbeit. Deutsch verstehen und sprechen zu können bedeutet weit mehr, als sich zu verständigen oder mitzuteilen. Mit zunehmenden Sprachkenntnissen gewinnen Schutzssuchende und Migranten an Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Das Einleben in die noch fremde Gesellschaft fällt leichter.
Interessierte Fachkräfte haben noch am 28.09. in Berlin, am 03.11. in Köln und am 11.11.2017 in Frankfurt/Main die Gelegenheit an der Fortbildung teilzunehmen. Die Veranstaltungen finden in den Klett-Treffpunkten der jeweiligen Orte statt.
Weitere Informationen sind auf der Webseite klett-sprachen.de/fortbildungen nachzulesen.

Das Sieber & Paasch Institut aus München hat sich u. a. darauf spezialisiert, die Möglichkeiten von rhythmischer Reflexintegration in Kombination mit bilateraler Hemisphärenstimulation und den Möglichkeiten der Integration durch isometrischen Druck zu lehren.

Diese können von Therapeuten sowohl im Kontext von Behandlungen genutzt werden, wie auch von Coaches und Trainern präventiv im Gruppen- oder Einzelcoachingkontext.
Auch für Eltern und Erzieher sind die Inhalte wertvoll. Die Seminarinhalte sind sofort einsetz- und umsetzbar.

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