Gesundheitsargumente bei Kindern nicht sinnvoll
sup.- „Iss bitte das Gemüse, denn das ist gesund.“ Von Eltern, Großeltern und Erziehern wird häufig das Gesundheitsargument genutzt, um Kinder zum Verzehr bestimmter Nahrungsmittel zu motivieren. Dies ist ein weit verbreiteter Fehler der Ernährungserziehung, der weder pädagogisch noch unter ernährungswissenschaftlichen Aspekten sinnvoll ist – ganz im Gegenteil. „Das Gesundheitsargument ist gerade bei jüngeren Kindern äußerst problematisch. Kinder neigen dazu, die Bedeutung von gesund mit Lebensmitteln zu verbinden, die ihnen eben gerade nicht so gut schmecken. Die Bezeichnung „gesund“ wird somit negativ besetzt“, erläutert Dr. Thomas Ellrott, Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie (Universitätsmedizin Göttingen) und Experte des Ratgeber-Portals www.komm-in-schwung.de. Umgekehrt wirken Lebensmittel, die als „ungesund“ bezeichnet werden, besonders verlockend und werden mit den Vorstellungen schmeckt gut, will ich haben, besetzt. Studien bestätigen laut Dr. Ellrott, dass das Wissen um so genannte „gesunde“ bzw. „ungesunde“ Produkte die Vorlieben und das Essverhalten bei Kindern eher in gegenteiliger Hinsicht beeinflusst.
Hinzu kommt: Auch die moderne Ernährungswissenschaft rechtfertigt längst nicht mehr die Kategorisierung in „gesunde“ und „ungesunde“ Lebensmittel. Für die Versorgung mit Energie und lebensnotwendigen Nährstoffen ist die Gesamtauswahl von Lebensmitteln und Getränken entscheidend, und die sollte insgesamt ausgewogen sein. „Es kommt allein auf das wie viel, wie oft und in welcher Kombination an“, so Dr. Ellrott.
Deutlich erfolgversprechender als Gesundheitsargumente ist es laut dem anerkannten Ernährungspsychologen, wenn Eltern ihren Kindern Lust auf abwechslungsreiche Nahrung machen, ohne Verbote auszusprechen. „Schmeckt richtig lecker, solltest du unbedingt probieren.“ Wenn auch die Eltern diese Nahrungsmittel mit Genuss im Beisein der Kinder verspeisen, bestehen bestmögliche Rahmenbedingungen für ein erwünschtes Beobachtungslernen.
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