Empfehlung von Medienpädagogen

Offensiven Umgang mit Werbung fördern

Grafik: Supress (No. 5856)

sup.- Werbung findet nicht im luftleeren Raum statt. Werbung ist in Deutschland für alle Werbeträger wie Fernsehen, Hörfunk, Kino, Internet, Printmedien oder Plakate durch eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen detailliert geregelt. So ist zum Beispiel jede irreführende Werbung verboten. Verbraucher haben dennoch die Möglichkeit, sich an den Werberat zu wenden, wenn sie den Eindruck haben, dass eine Werbung gegen diese Vorschriften verstößt. Diese Reglementierungen sind Medienpädagogen zufolge ausreichend, auch im Hinblick auf Werbung für Kinderprodukte, für die ohnehin zusätzliche Auflagen gelten. Statt weitere Verbote zu fordern, ist es ihrer Ansicht nach mit Abstand sinnvoller, wenn Eltern und Erzieher schon früh einen offensiven Umgang mit Werbung fördern. Diese Zielsetzung unterstützt die 2004 gegründete medienpädagogische Initiative Media Smart ( www.mediasmart.de) u. a. mit dem kostenlosen Angebot von entsprechenden Lernmaterialien für Kindergärten und Grundschulen. „Wir wollen, dass Kinder im Rahmen von Medienkompetenz sich auch selbstbestimmt und kompetent mit Werbung auseinandersetzen können und lernen, diese zu durchschauen“, erläutert Prof. Stefan Aufenanger (Universität Mainz) in seiner Funktion als Media Smart-Beiratsmitglied.

Es ist nicht zielführend, Kinder unter einer Glasglocke aufwachsen zu lassen, um sie z. B. vor angeblich ungesunden Lebensmitteln durch Werbeverbote für solche Produkte schützen zu wollen. Hinzu kommt: Auch aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist unbestritten, dass es keine richtigen bzw. falschen Lebensmittel gibt, sondern nur einen ausgewogenen und abwechslungsreichen bzw. eben unausgewogenen und einseitigen Umgang mit Lebensmitteln. Einen gesundheitlich empfehlenswerten Lebensstil zu vermitteln, ist jedoch nicht Funktion der Werbung, sondern sollte zu den wesentlichen Erziehungszielen von Eltern und Erziehern zählen. Ebenso gehört es zu ihren Aufgaben, bei dem Nachwuchs eine angemessene Medienkompetenz auch im Hinblick auf die Einordnung von Werbung aufzubauen. Offene Gespräche und Informationen, insbesondere zu neuen Werbeformen (z. B. bei www.fragfinn.de) sowie das gemeinsame Surfen im Internet sind hilfreich, damit Kinder eine kritische Distanz zu Werbeslogans entwickeln. Und generell ganz wichtig ist zudem, dass Eltern bei Heranwachsenden die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins fördern. Dann spielt das Definieren über Marken und Produkte ohnehin nur eine untergeordnete Rolle.

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